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China - Nur nicht das Gesicht verlieren

Faszinierende Vielfalt zwischen Tradition und Moderne.

Vor interkulturellen Missverständnissen bezüglich der Volksrepublik ist niemand gefeit, auch nicht echte Profis, die seit Jahren dort leben und arbeiten. China ist ein Land, das großen Wert auf alte Tradition legt und auch von ausländischen Besuchern ein entsprechendes Verhalten erwartet. Zurückhaltung und Respekt sind dabei besonders wichtig.

Zur Begrüßung reicht man sich vor allem im Geschäftsleben höflich die Hand. Achten Sie auf genügend Abstand, da man in China zu engen Körperkontakt scheut. Um sich vorzustellen nennen Sie zuerst Ihren Familiennamen und dann den Vornamen. Man spricht sich gegenseitig mit dem Nachnamen an, zum Beispiel Mr. Huber. Bietet der Gesprächspartner an, auf den Vornamen überzugehen, kann man dies dankend annehmen. Und auch wenn die chinesischen Namen schwer auszusprechen sind, üben Sie sich darin! Dies könnte für den weiteren Verlauf der Bekanntschaft wichtig sein.

Ob im geschäftlichen oder privaten Umgang, einer Sache entkommt man selten: Der Visitenkarte. Auf sie legen die Chinesen – trotz nivellierender Globalisierung – weiterhin sehr viel Wert. sollte mit beiden Händen gleichzeitig in Empfang genommen und gebührend studiert werden, ist es doch eine große Ehre, sie zu erhalten. Daraufhin übergeben Sie Ihre eigene Karte, so Sie ein Exemplar bei sich haben. Wer einen besonders guten Eindruck machen möchte, bedruckt eine Seite seiner eigenen Visitenkarte in chinesischer Sprache.

Dies ist auch schon der erste Schritt in Richtung guanxi - gute Beziehung. Guanxi sind in China essentiell und werden durch kleine und große Gesten gepflegt. Beispiele sind Gastgeschenke (auf Qualität achten!), Einladungen zum Essen, Geschäftsbeziehungen.

Den Chinesen ist es ein großes Anliegen, jederzeit das Gesicht zu wahren. Das bedeutet, dass man seinem Gegenüber immer einen würdevollen Rückzug ermöglichen sollte - sei es bei einem unterlaufenen Irrtum, Geschäftsverhandlungen oder einer peinlichen Situation. Auch Sie selbst können das Gesicht verlieren, etwa durch einen Gefühlsausbruch, nicht eingehaltenen Versprechen oder indem Sie ohne zu verhandeln einem Offert einfach zustimmen. Bleiben Sie daher immer ruhig und übergehen Sie Fehler Ihrer Mitmenschen großzügig.

Seien Sie vorsichtig, was den chinesischen Umgang mit dem Wort „Ja“ betrifft. Dies ist besonders heikel, wenn Sie beispielsweise nach dem Weg fragen. Einem Chinesen würde es nicht einfallen, zuzugeben, dass er Ihnen nicht weiterhelfen kann. Nicht nur gilt ein einfaches „Nein“ als grob unhöflich, er würde dadurch auch seine Unwissenheit zu erkennen geben und damit sein Gesicht verlieren. Stattdessen antwortet er, dass ihm die gesuchte Adresse natürlich bekannt sei, und deutet Ihnen wage, wohin Sie müssen. Kommt ein „Ja“ Ihrem chinesischer Geschäftspartner über die Lippen, bedeutet auch das noch lange keine Zustimmung. Er signalisiert Ihnen nur, dass er Sie verstanden hat. Erst wenn er zum „Ja“ das von Ihnen Gesagte wiederholt, dürfen Sie auf eine Zustimmung hoffen. Eine fixe Geschäftszusage werden Sie aber im seltensten Fall erhalten, viel zu wichtig ist es den Chinesen, sich alle Möglichkeiten offenzuhalten, um bei einem möglichen Rückzieher nicht das Gesicht zu verlieren.

Auch wenn dies alles auf den ersten Blick unüberwindbar wirkt: Das Wissen um einige wenige Fragen der Etikette wird Ihnen das (Geschäfts-)Leben im Reich der Mitte leichter machen. Ein besonderes Augenmerk ist dem Thema Einladungen zu schenken.

Seien Sie immer auf die Minute pünktlich, Verspätungen gelten als respektlos. Sind Sie zu jemanden nach Hause eingeladen, sollten Sie jedenfalls ein kleines Präsent mitbringen. Blumen werden gerne gesehen, doch vermeiden Sie die Unglücksfarben Weiß und Gelb. Sowohl bei einer Einladung in ein Restaurant als auch nach Hause sollte von Ihrer Seite eine Gegeneinladung ausgesprochen werden, bestenfalls bereits während des Essens. Mag man Ihnen in seltenen Fällen auch Messer und Gabel zur Verfügung stellen - grundsätzlich wird man beim Essen mit Stäbchen konfrontiert. Zeigen Sie niemals mit dem Esswerkzeug auf Leute, „parken“ Sie sich nicht parallel auf der Reisschale und lassen Sie sie nicht zu Boden fallen. Während am Tisch Schmatzen und sogar Rülpsen erlaubt sind, gilt es als grober Fauxpas, sich bei Tisch die Nase zu putzen. Bezahlt wird das Essen grundsätzlich vom Gastgeber. Bei einer privaten Einladung ist es üblich, sich kurz nach Ende des Essens verabschieden, um die Gastfreundschaft nicht überzustrapazieren. 

Unser Tipp: Sollten Sie Präsente übergeben, wundern Sie sich nicht, wenn diese nicht in Ihrer Gegenwart geöffnet werden. Dies gilt als unhöflich. Der Empfänger wird Sie in Ihrer Abwesenheit öffnen und Ihnen später seinen Dank aussprechen.