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Knigge & Tischmanieren

Ess-Kultur richtig verstehen.

Wer bei Knigge nach Auskünften über die richtigen Tischmanieren sucht, wird kaum fündig werden – er hat sich nämlich so gut wie gar nicht dazu geäußert. Dass er dennoch immer wieder in diesem Zusammenhang auftaucht, ist folglich nicht korrekt, denn nur wenige Tischregeln gehen auf ihn zurück. „Dergleichen Regeln mehr zu geben, dazu ist hier nicht der Ort“, schrieb er 1788 in seinem bis heute fälschlicherweise als Manierenratgeber bekannten psychologischen Werk „Über den Umgang mit Menschen“. Im 18. Jahrhundert setzte sich das Essen mit Messer und Gabel gerade durch, die Essgeräte gerieten immer kunstvoller, und das Verwenden des jeweils richtigen Bestecks wurde, vor allem in Europa, zum Zeichen für Zivilisiertheit und Kultur. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts verwendeten Menschen aus allen Schichten Messer und Gabel mit Selbstverständlichkeit.

Tischsitten sind von Epoche zu Epoche genauso unterschiedlich wie von Land zu Land. So ist es anders als bei uns in den USA durchaus schicklich, das Essen „auf Vorrat“ mit Messer und Gabel zu zerteilen und dann nur mit der Gabel zu essen. In manchen Kulturkreisen, etwa in Asien, ist es üblich, einen Rest auf dem Teller liegen zu lassen, damit der Gastgeber nicht meint, das Essen habe nicht ausgereicht; bei uns führt ein Rest auf dem Teller meist zu der besorgten Frage, ob es denn nicht geschmeckt habe. Und selbst innerhalb Mitteleuropas gibt es in Benimmfragen feine Unterschiede: Während es in Deutschland durchaus üblich ist, Wein nachzuschenken, auch wenn das Glas noch nicht ganz ausgetrunken ist, gilt dies in Österreich und Tschechien als unhöflich. In fast allen Kulturkreisen hingegen findet man das Anstoßen oder Zuprosten, bevor man ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt.

Bei allen Unterschieden in den Tischsitten ist das gemeinsame Essen in allen Kulturen ein Ritual der Verbundenheit, das man umso besser genießen kann, je sicherer man sich dabei fühlt und je souveräner man die jeweiligen Regeln beherzigen kann: Die Freude am „guten Geschmack“ führt die Menschen zusammen.

„Die besten Umgangsformen sind wertlos, wenn es an Takt und Herzensbildung fehlt.“
(Adolph Freiherr Knigge)